Ständige Erreichbarkeit, hoher Leistungsdruck und wechselnde Anforderungen – in unserer modernen, schnelllebigen Welt scheint Stress schon fast zur Normalität geworden zu sein. Auch die Zahl psychischer Krankheiten steigt: Im Durchschnitt erkrankt jeder 4. Deutsche mindestens einmal in seinem Leben an einer psychischen Störung, und jeder zweite Deutsche leidet unter starkem Stress. Stress wiederum ist ein bedeutender Risikofaktor für psychische und körperliche Erkrankungen. Doch was ist Stress eigentlich genau? Wie entsteht er, und wie können wir ihn sowohl minimieren als auch besser mit ihm umgehen? In diesem Artikel wollen wir dir praktikable Techniken mit an die Hand geben, die es dir erleichtern werden, mit Alltagsstress und Sorgen umzugehen. So kommst du auch in turbulenten Zeiten gelassen durch den Alltag.
Was ist Stress?
Stress ist ein eher negativ behafteter Begriff. Doch es gibt einen guten Grund, warum wir manchmal gestresst sind. Früher war Stress sogar lebensnotwendig, um auf akute Bedrohungen reagieren zu können. Nehmen wir als Beispiel für eine solche Bedrohung einen Tigerangriff: Bei so einem Zwischenfall wird das sogenannte sympathische Nervensystem aktiviert und bereitet den Körper auf eine Notfallsituation vor – es kommt zu einer Stressreaktion. Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol werden ausgeschüttet, der Puls erhöht sich, die Herzrate geht hoch, es kommt zu einer Erweiterung der Atemwege, und unwichtigere Körperprozesse, wie beispielsweise die Verdauung, werden verlangsamt. Das alles dient dem Ziel, die Leistungsfähigkeit zu erhöhen, um sich so schnell wie möglich vor der bevorstehenden Gefahr – in diesem Fall dem Tiger – in Sicherheit zu bringen. Wenn auf eine solche Aktivierung dann eine körperliche Reaktion folgt, wie beispielsweise eine Flucht- oder Kampfreaktion, wird die dafür bereitgestellte Energie produktiv genutzt. Die Stresshormone werden wieder abgebaut, und wir können uns wieder entspannen.
Heutzutage ist es allerdings oft so, dass die Stressoren, die diese Stressreaktion bei uns auslösen, meist keine lebensbedrohlichen Auslöser sind, sondern beispielsweise eine wichtige Deadline, unser/-e Chef/-in oder unser/-e Partner/-in. Alles Dinge, die uns nicht nur manchmal, sondern durch unseren gesamten Alltag begleiten. Das kann schnell dazu führen, dass wir uns in einem Dauerstresszustand befinden. Was wir persönlich als Stressauslöser sehen, ist oft ganz individuell und hängt auch mit unserer Wahrnehmung, unseren Glaubenssätzen über die Welt und unserer Weltanschauung, also unserem „persönlichen Filter“, zusammen. Jede/-r fühlt sich also durch ganz unterschiedliche Situationen, Personen und Gedanken gestresst. Wie können wir aber nun mit Stress umgehen? Wie können wir wieder zur Ruhe kommen, und vielleicht sogar unsere Wahrnehmung in Bezug auf potenzielle Stressoren verändern?
So kannst du besser mit Stress umgehen
- Packe den Stress an der Wurzel
Stress entsteht aufgrund unserer Bewertungen und Einschätzungen. Was kannst und möchtest du an deinen Glaubenssätzen ändern? Nimm dir einen Moment Zeit, um deine Sicht auf die Welt und bestimmte Bewertungen, die du in Bezug auf potenzielle Stressoren hast, zu überdenken. Sind sie wirklich so gefährlich, wie du momentan denkst? Kannst du bestimmte Glaubenssätze und Bewertungen loslassen? - Sei aktiv
Wir haben gesehen, dass die durch die Stressreaktion ausgeschütteten Stresshormone auf natürliche Weise durch eine Kampf- oder Fluchtreaktion abgebaut werden können. Das Ganze klappt aber auch durch Sport! Bewege dich und komm ins Schwitzen, wenn du dich besonders gestresst fühlst, das führt ebenfalls zu einem Abbau der Stresshormone und einem Gefühl der Entspannung. - Konzentriere dich auf deine Ressourcen
Ressourcen stärken unsere Resilienz und unsere Widerstandskraft. Mache dir einmal bewusst, von welchen bestärkenden Personen, Orten oder Dingen du umgeben bist, die dir Kraft geben. - Probiere Entspannungstechniken aus
Wie der Name bereits andeutet, sind Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder der Body Scan dazu da, bewusst einen Zustand der Entspannung herbeizuführen. Schon bei der ersten Anwendung zeigen sich positive Effekte und langfristig gesehen umso mehr. Auch Meditation kann zu Stressabbau, mehr Entspannung und Gelassenheit führen.
Stress lass nach
Stress gehört zum Leben – aber du musst ihn nicht allein „aushalten“. Wenn du deine Stressauslöser bewusster einordnest, dich regelmäßig bewegst, deine Ressourcen stärkst und kleine Entspannungsroutinen einbaust, gibst du deinem Körper und Kopf das Signal: Alles ist unter Kontrolle. Fang klein an – ein Schritt, eine Übung, ein Moment Ruhe – und du wirst merken, wie sich Gelassenheit wieder aufbauen lässt.
Weiterführende Informationen zum Thema findest du hier:
American Psychological Association. (2024, October 21). Stress effects on the body. https://www.apa.org/topics/stress/body
Li, X., Huang, J., & Zhu, F. (2025). Li, X., Huang, J., & Zhu, F. (2025). The optimal exercise modality and dose for cortisol reduction in psychological distress: A systematic review and network meta-analysis. Sports, 13(12), 415. https://doi.org/10.3390/sports13120415
Khir, M. S., Wan Mohd Yunus, W. M. A., Mahmud, N., Wang, R., Panatik, S. A., Mohd Sukor, M. S., & Nordin, N. A. (2024). Efficacy of progressive muscle relaxation in adults for stress, anxiety, and depression: A systematic review. Psychology Research and Behavior Management, 17, 345–365. https://doi.org/10.2147/PRBM.S437277