„Ich bin einfach nicht gut genug.“; „Ich schaffe das sowieso nicht.“; „Ich habe das nicht verdient.“ – kennst du diese Gedanken? Dann bist du nicht allein – und du bist vor allem nicht diesen Gedanken ausgeliefert.
Denn was viele nicht wissen: Hinter solchen Sätzen stecken sogenannte „negative Glaubenssätze“ – tief verankerte Überzeugungen über uns selbst, die wir (oft unbewusst) für wahr halten. Und genau diese Gedanken können unser Handeln, unser Selbstwertgefühl und unsere Beziehungen stark beeinflussen.
Was sind negative Glaubenssätze – und woher kommen sie?
Glaubenssätze sind wie innere Leitsätze oder persönliche Lebensregeln. Sie entstehen meist in der Kindheit durch Erfahrungen mit Bezugspersonen, Schule, sozialen Kontexten oder wiederholtes Feedback. Manche sind hilfreich – andere jedoch wirken limitierend. Solche Überzeugungen prägen unser Selbstbild, unser Verhalten und unsere Emotionen – oft, ohne dass wir es merken.
Warum Glaubenssätze uns im Alltag blockieren
Stell dir vor, du trägst eine Brille – und durch diese Brille bewertest du dich selbst, andere Menschen und die Welt. Ist die Brille durch negative Glaubenssätze getrübt, fällt es schwer:
- Chancen zu sehen und zu ergreifen
- Grenzen zu setzen und für sich einzustehen
- Selbstmitgefühl zu entwickeln
- Offen in Beziehungen zu gehen
- Fehler als Lernchancen zu begreifen
Diese Denkfallen wirken wie ein Autopilot – und führen oft zu Selbstsabotage, emotionaler Erschöpfung oder zwischenmenschlichen Konflikten.
Wie du deine negativen Glaubenssätze veränderst
Die gute Nachricht: Glaubenssätze sind nicht in Stein gemeißelt. Mit gezielter Reflexion und ein wenig Übung kannst du sie entlarven, hinterfragen – und Schritt für Schritt verändern.
1. Erkenne deine Glaubenssätze
Achte auf typische Gedanken wie:
- „Ich kann das nicht.“
- „Ich bin nicht gut genug.“
- „Andere sind besser als ich.“
Stelle dir Fragen wie:
- Woher kenne ich diesen Gedanken?
- In welchen Situationen taucht er besonders oft auf?
- Wem gehörte dieser Satz ursprünglich? (Eltern, Lehrer, Umfeld)
2. Hinterfrage sie bewusst
Negative Glaubenssätze wirken nur, solange wir sie glauben. Du kannst sie mit Fragen wie diesen ins Wanken bringen:
- Stimmt dieser Satz wirklich? Immer?
- Was spricht dagegen?
- Was würde ein guter Freund mir in der Situation sagen?
- Wie würde ich mich fühlen, wenn ich diesen Gedanken loslassen könnte?
3. Formuliere neue, stärkende Glaubenssätze
Das Ziel ist hierbei kein naiver Optimismus, sondern ein realistisches, mitfühlendes Denken.
Beispiele:
- Aus „Ich darf keine Fehler machen.“ wird „Ich darf Fehler machen und daraus lernen.“
- Aus „Ich bin nicht gut genug.“ wird „Ich bin gut so, wie ich bin – mit Stärken und Schwächen.“
Und wenn es alleine nicht weitergeht?
Manchmal sitzen Glaubenssätze so tief, dass sie das tägliche Leben stark belasten – ob im Job, in Beziehungen oder im Umgang mit sich selbst. Dann ist es keine Schwäche, sondern ein Akt von Selbstfürsorge, sich professionelle Hilfe zu holen.
Psychotherapie kann dabei helfen, tiefsitzende Muster aufzudecken, zu verstehen – und behutsam zu verändern.
Neue Wege, neue Erfahrungen
Negative Glaubenssätze sind wie alte Landkarten – sie zeigen dir Wege, die vielleicht früher sinnvoll waren, dich heute aber blockieren. Du hast die Möglichkeit, neue Wege zu gehen. Mit Achtsamkeit, Mut und Mitgefühl.
Weitere Informationen zum Thema findest du hier:
- Boden MT, John OP, Goldin PR, Werner K, Heimberg RG, Gross JJ. The role of maladaptive beliefs in cognitive-behavioral therapy: Evidence from social anxiety disorder. Behav Res Ther. 2012 May;50(5):287-91. doi: https://doi.org/10.1016/j.brat.2012.02.007. Epub 2012 Feb 28. PMID: 22445947; PMCID: PMC3327793.
- Rimes KA, Smith P, Bridge L. Low self-esteem: a refined cognitive behavioural model. Behav Cogn Psychother. 2023 Nov;51(6):579-594. doi: https://doi.org/10.1017/s1352465823000048. Epub 2023 May 12. PMID: 37170762.