In Zeiten von Smartwatches, Fitness-Trackern und personalisierter Gesundheit wächst das Interesse an kontinuierlicher Selbstüberwachung. Besonders beliebt: die Blutzuckermessung durch sogenannte CGMs (Continuous Glucose Monitors), die ursprünglich für Diabetiker:innen entwickelt wurden. Doch wie sinnvoll ist das wirklich für gesunde Menschen? Und was lässt sich daraus tatsächlich ableiten?
Was misst ein CGM eigentlich?
Der Blutzucker (Glukose) ist der wichtigste Energielieferant unseres Körpers. Er schwankt im Tagesverlauf – etwa nach dem Essen, bei körperlicher Aktivität oder in Stresssituationen. Normalerweise hält unser Körper den Blutzuckerspiegel durch Hormone wie Insulin und Glukagon in einem engen, gesunden Rahmen.
Normale Blutzuckerwerte (nüchtern):
- 70–100 mg/dl (3,9–5,6 mmol/l)
2 Stunden nach dem Essen:
- < 140 mg/dl (7,8 mmol/l)
Diese Schwankungen sind physiologisch und kein Grund zur Sorge – solange sie in diesen Bereichen bleiben.
Zur Erklärung dieser Werte
120 mg/dl (7,8 mmol/l) bedeutet, dass der Blutzuckerwert bei 120 Milligramm pro Deziliter Blut liegt – mg/dl ist eine Maßeinheit dafür, wie viel Zucker sich im Blut befindet. Der Wert in Klammern (7,8 mmol/l) ist die gleiche Angabe, nur in einer anderen Einheit, die man vor allem in Europa häufig verwendet.
Aus welchen Gründen wollen gesunde Personen ihren Blutzucker tracken?
- Optimierung der Ernährung: Viele wollen verstehen, welche Lebensmittel ihren Blutzucker stark ansteigen lassen, um diese zu reduzieren.
- Vorbeugung von Stoffwechselkrankheiten: Frühzeitig auf mögliche Prädiabetes-Zeichen reagieren.
- Leistungssteigerung: Besonders im Sportbereich nutzen Biohacker Blutzuckerdaten zur Optimierung von Energieleveln.
- Gewichtsmanagement: Schwankungen im Blutzucker werden mit Heißhunger und Fettstoffwechsel in Verbindung gebracht.
Aber hier ist Vorsicht geboten:
- Fehlinterpretationen: Blutzuckerwerte schwanken – das ist normal. Ohne medizinische Einordnung kann das zu unnötiger Besorgnis führen.
- Messfehler: CGMs sind nicht 100 % exakt (1). Kleine Abweichungen sind normal, aber für Laien schwer einzuordnen.
- Gefahr der Orthorexie: Der ständige Blick auf die Glukosekurve kann zu übertriebener Kontrolle und Esszwängen führen – das sind bereits erste Anzeichen eine Orthorexie (2).
- Kosten: CGMs sind teuer – bei Gesunden werden sie nicht von der Krankenkasse übernommen.
Für wen ist Blutzuckermessung ohne Diabetes sinnvoll?
Sinnvoll könnte sie sein für:
- Menschen mit familiärer Vorbelastung für Typ-2-Diabetes
- Übergewichtige mit metabolischem Risikoprofil
- Sportler:innen mit Interesse an Leistungs- und Regenerationsoptimierung
- Personen mit Symptomen wie Heißhunger, starker Müdigkeit nach Mahlzeiten oder unerklärlichen Gewichtsschwankungen
Weniger geeignet für:
- Gesunde Menschen ohne Risikofaktoren oder Beschwerden
- Menschen mit Tendenz zu übermäßiger Gesundheitskontrolle
- Kinder und Jugendliche ohne medizinische Indikation
Spielerei oder Zukunft der Prävention?
Blutzuckermessung ohne Diabetes kann bei richtiger Anwendung wertvolle Einblicke liefern. Aber: Sie ersetzt keine ärztliche Diagnose, keine ausgewogene Ernährung und keinen gesunden Lebensstil. Wer wirkliche Bedenken bezüglich des Blutzuckerspiegels hat, sollte die Daten professionell überprüfen – am besten mit fachlicher Begleitung durch Ärzt:innen oder Ernährungsberater:innen.
Hinweis:
Dieser Artikel wurde mit großer Sorgfalt und auf Grundlage faktenbasierter Informationen erstellt. Unsere Ärztin des Hauses, Frau Dr. Bünz, hat den Beitrag vorab geprüft. Bitte beachten Sie jedoch, dass die Inhalte allgemeiner Natur sind und keine individuelle medizinische Beratung ersetzen können. Bei konkreten Fragen oder gesundheitlichen Anliegen rund um die Blutzuckermessung wenden Sie sich gerne direkt an Frau Dr. Bünz.
(1) Bellido, V., Freckman, G., Pérez, A. & Galindo, R. J. (2023). Accuracy and Potential Interferences of Continuous Glucose Monitoring Sensors in the Hospital. Endocrine Practice, 29(11), 919–927. https://doi.org/10.1016/j.eprac.2023.06.007
(2) Douma, E. R., Valente, M. & Syurina, E. V. (2020). Developmental pathway of orthorexia nervosa: Factors contributing to progression from healthy eating to excessive preoccupation with healthy eating. Experiences of Dutch health professionals. Appetite, 158, 105008. https://doi.org/10.1016/j.appet.2020.105008